Leise und oft im Verborgenen haben über Jahrtausende Frauen die Uckermark geprägt. Ihre Geschichten sind nicht immer aufgeschrieben, doch ihre Spuren sind geblieben.
Diese Seite lädt dazu ein, diese Frauen zu entdecken, die Orte zu finden und zu besuchen, die von ihrem Leben, ihrer Arbeit und ihrer Stärke erzählen. Von der namenlosen Mutter aus frühester Zeit bis zu Angela Merkel, es waren auch immer Frauen, die die Region bis heute gestalteten und gestalten.
Folgen Sie diesen Spuren – und entdecken Sie die weibliche Uckermark
In unregelmäßigen Abständen werde ich hier uckermärkische Frauen-Geschichte vorstellen und wenn Sie eine Uckermärkerinnen kennen, deren Geschichte vorgestellt werden sollte, dann lassen Sie es mich bitte wissen.
Inhaltsverzeichnis
- HER-Story : Die Frau von Neu-Kleinow : Ein 4000 Jahre altes Frauenleben
- HER-Story : Friederike Luise – Zwischen historischer Realität und überlieferter Abwertung
- HER-Story : Die Frau im Grünen
- HER-Story : Das größte Denkmal in Prenzlau – gewidmet einer Frau
- HER-Story : Die heilige Margarete
- HER-Story : Dorothee Elisabeth Tretschlaff – Eine Hexe?
HER-Story : Die Frau von Neu-Kleinow : Ein 4000 Jahre altes Frauenleben
Vor etwa 4000 Jahren lebte in der Uckermark eine junge Frau, deren Spuren sich bis heute erhalten haben. In Neu-Kleinow wurde sie gemeinsam mit drei Kindern bestattet. Ob sie miteinander verwandt waren, bleibt ungewiss. Entdeckt wurde das Grab im Jahr 1999 beim Bau der Autobahn A20. Beigaben gab es keine, aber ihr Körper erzählt von einem schweren Leben: Obwohl sie nur etwa 25 bis 30 Jahre alt wurde, waren ihr Rücken und ihre Hüften bereits stark geschädigt. Vieles deutet darauf hin, dass sie Stunde um Stunde kniend vor einem Mahlstein hockte, um Getreide zu mahlen. Über Jahrtausende hinweg war das Mahlen von Getreide Frauenarbeit.
Schon in der Antike wird in der Odyssee von der harten Frauenarbeit des Mahlens von Getreide berichtet:
Plötzlich hört’ er [Odysseus] ein mahlendes Weib, das glückliche Worte redete, nahe bei ihm, wo die Mühlen des Königes standen. Täglich waren allhier zwölf Müllerinnen beschäftigt, Weizen- und Gerstenmehl, das Mark der Männer, zu mahlen. Aber die übrigen schliefen, nachdem sie den Weizen zermalmet; sie nur feirte noch nicht, denn sie war von allen die schwächste. Stehn ließ sie die Mühl und sprach die prophetischen Worte: Vater Zeus, der Götter und sterblichen Menschen Beherrscher, wahrlich, du donnertest laut vom Sternenhimmel, und nirgends ist ein Gewölk; du sendest gewiß jemandem ein Zeichen. Ach, so gewähr auch jetzo mir armen Weibe die Bitte: Laß die stolzen Freier zum letzenmal heute, zum letzten, ihren üppigen Schmaus in Odysseus’ Hause genießen, welche mir alle Kraft durch die seelenkränkende Arbeit, Mehl zu bereiten, geraubt! (Homer, Odyssee: http://www.zeno.org/Literatur/M/Homer/Epen/Odyssee/20.+Gesang (11.04.26)
So steht die Frau von Neu-Kleinow für viele, deren Namen wir nicht kennen, deren Arbeit aber unverzichtbar war, um die Familien zu ernähren.
Im Mahlsteinmuseum in Neu-Kleinow lassen sich die einfachen, aber kraftzehrenden Mahlgeräte aus der Vorzeit bis heute betrachten. Ein Buch zum Museum erzählt die Geschichte dieser Geräte.
Adresse: Mahlsteinmuseum Neu-Kleinow, Uckerfelde – Koordinaten: 53°15’24.9″N 14°00’42.7″E
Literatur: Becker, Eva: Das Mahlsteinmuseum Neu-Kleinow : Von Reibplatten, Handmühlen und Hünenhacken, Norderstedt: Books on Demand 2020. Das Buch kann in jeder Buchhandlung für 19,90 € bestellt werden.
Museumstour mit dem Fahrrad: Prenzlau – Baumgarten – Grünow – Dreesch (Abstecher Drense) – Neu Kleinow – Gramzow – Blankenburg – Seehausen – Seelübbe – Prenzlau
HER-Story : Friederike Luise von Hessen-Darmstadt – Zwischen historischer Realität und überlieferter Abwertung
Friederike Luise von Hessen-Darmstadt wurde 1751 in Prenzlau in der Burgfreiheit geboren und stieg durch ihre Heirat mit Friedrich Wilhelm II. zur Königin von Preußen auf. Ihre Lebensgeschichte ist jedoch weniger durch politische Gestaltung als durch persönliche Zurücksetzung und eine bis heute nachwirkende negative Darstellung geprägt.
Die Ehe mit Friedrich Wilhelm II. war von Beginn an belastet. Der König unterhielt zahlreiche außereheliche Beziehungen und bevorzugte offen seine Mätressen; zudem ging er zweimal morganatische Ehen ein. Friederike Luise wurde dadurch nicht nur emotional verletzt, sondern auch öffentlich marginalisiert. Statt als eigenständige Persönlichkeit wahrgenommen zu werden, reduzierte man sie auf ihr Äußeres.
So heißt es etwa bei Wikipedia, die Ehe zwischen der „unattraktiven“ Friederike und dem „sinnenfrohen“ Prinzen sei nicht glücklich verlaufen.
Besonders problematisch ist, dass diese einseitige Darstellung nicht auf ihre Zeit beschränkt blieb. Körperliche Gebrechen, die bei Männern kaum negativ bewertet worden wären, prägen bis heute das Bild einer Frau, deren Rolle darauf reduziert war, den Fortbestand des Hauses Hohenzollern zu sichern.
Dass es sich bei den beschriebenen „Schwächen“ vermutlich um Krankheiten handelte – etwa Gicht oder andere Leiden –, mag dem medizinischen Verständnis des 18. Jahrhunderts geschuldet sein. Im 21. Jahrhundert jedoch ist eine unreflektierte Übernahme solcher Beschreibungen nicht mehr entschuldbar.
Zeitgenössische Urteile werden dabei bis heute wörtlich reproduziert:
„Sie sah Gespenster und Geister, schlief bei Tage, wachte bei Nacht, hatte immer zu große Hitze, so dass sie nachts Sommer und Winter im Hemde am offenen Fenster saß; wurde vor der Zeit hässlich und krumm, so dass sie sich, erst einige vierzig Jahre alt, schon den Kopf mit der Hand in die Höhe halten musste, wenn sie jemanden ansehen wollte. Kurz, sie war ein unangenehmes Frauenzimmer, von niemand geliebt.“ (rbb, Preußen-Chronik)
Wie so oft in der Geschichte werden hier narrative Muster sichtbar, die Frauen verkürzt und abwertend darstellen. Es fehlt nicht selten an grundlegender historischer Quellenkritik: Bewertungen werden übernommen, ohne ihren Entstehungskontext zu reflektieren.
So bleibt ein einseitiges Bild bestehen, das weniger über die historische Person aussagt als über die langen Schatten einer männerdominierten Geschichtsschreibung.
Die Abwertung Friederike Luises zeigt, wie wirkmächtig diese Deutungsmuster bis heute sind und wie notwendig es ist, sie kritisch zu hinterfragen.
Anmerkungen
Das als Burgfreiheit benannte Haus befand sich auf der südlichen Straßenseite des heutigen Marktberges und wurde am Ende des 2. Weltkrieges zerstört
Internet
Preußen-Chronik des RBB
Wikipedia
Museum
Im Dominikanerkloster von Prenzlau befindet sich ein Ausstellungsraum im oberen Geschoss, der Friederike Luise gewidmet ist
Literatur
Genschow, Cecilia, Karl Friedrich Hinkelmann: Königin Friederike Luise von Preußen (1751-1805) – Ein Leben zwischen Zurücksetzung und Selbstbehauptung, Prenzlau: Dominikanerkloster 2010. Das Buch kann im Kloster für 5 Euro erworben werden
Anreise
Mit der Bahn, dem Auto, dem Fahrrad, per pedes
Koordinaten 53.30996251004153, 13.861220700496581
Stadtentdeckung „Von wegen anonym : Erika Mustermann im Stadtbild“
kann in der Stadtinformation von Prenzlau gebucht werden
Anmeldung: 03984 – 75163
HER-Story : Die Frau im Grünen
Manchmal, so heißt es, erscheint bei dem Kirchlein im Grünen in Alt Placht eine Frau, die nicht deutlich zu erkennen ist. Sie ist eher eine Ahnung als eine Gestalt. Wer sie sieht, glaubt im ersten Moment, sie zu kennen, aber im zweiten merkt man, dass sie sich entzieht .
Manche sagen, sie sei von weit her gekommen. Andere sagen nichts. Vielleicht ist sie nichts weiter als eine Figur, die entsteht, wenn ein Ort beginnt, sich Geschichten über sich selbst zu erzählen.
Ein Ort mit zu vielen Geschichten
Alt Placht ist klein. Eine Kirche im Wald, umgeben von alten Linden, mehr Landschaft als Dorf. Ein Ort, der nicht auffällt, bis man genauer hinsieht und die Fülle an Erzählungen auffallen.
Da ist die Rede vom hugenottischen Baustil der Kirche, von einer Besiedlung schon zur Zeit der Völkerwanderung, von einem slawischen Heiligtum unter der Kirche.
Alles klingt plausibel, aber nichts ist belegt. Wer in Archiven sucht, wird enttäuscht, er findet nichts.
Kleine Orte haben selten eine spektakuläre Quellenlage, aber oft ein starkes Bedürfnis nach Bedeutung. Die Lücken werden durch Analogien, durch Ausschmückung, durch Wiederholungen gefüllt: Was gut klingt, setzt sich fest und was oft genug erzählt wird, wird irgendwann zur Tatsache.
Alt Placht ist ein Ort, um den sich viele Geschichten gelegt haben. Wer aber der Frau im Grünen in Alt Placht begegnet, erinnert sich nicht an ihr Gesicht, nicht an ihre Stimme, sondern an den Moment danach, an dieses leise Unbehagen, das bleibt, wenn erkannt wird, dass nicht jeder Ort eine Geschichte hat, aber Menschen das Bedürfnis haben, den Ort mit Geschichten zu füllen.
Anreise nach Alt Placht: Von Templin nach Lychen auf der L 23, in Densow abbiegen auf einen ausgeschilderten Waldweg, der direkt nach Alt Placht führt. Möglich ist auch eine Anreise über Gandenitz.
Koordinaten: 53.16040985385717, 13.405756618886699
Mit dem Fahrrad: Glashüttentour
Literatur
Becker, Eva: Alt Placht – Das Kirchlein im Grünen : Historische und Archäologische Notizen, Norderstedt: Books on Demand 2019
Becker, Eva: „Das verschwundene Wandbild. Ein Streifzug durch die Restaurierungsgeschichte der Kirche Alt Placht im 20. Jahrhundert“, in: Mitteilungen des Uckermärkischen Museums- und Geschichtsverein zu Prenzlau 28 (2021), S. 73-97
Becker, Eva: „Kirche Alt Placht und die Sammlung Helmut Kliefoth„, in: Mitteilungen des Uckermärkischen Geschichtsvereins zu Prenzlau 28 (2021), S. 60-72
Her-Story: Das größte Denkmal in Prenzlau – gewidmet einer Frau
„Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lukas 1,38)
„Ohne Frauen geht es nicht. Das hat sogar Gott einsehen müssen.“ Eleonara Duse, 1858-1924
Dieser Satz steht im Zentrum der Mariengestalt und zugleich im Zentrum einer offenen theologischen Frage: Ist es ein bewusstes, aktives Ja oder ein Sich-Einfügen in ein vorgegebenes Schicksal?
Der griechische Optativ („mir geschehe“) lässt beides anklingen: Wunsch und Zustimmung, Offenheit und Annahme. Gerade diese Spannung macht Maria zu einer so bedeutenden Figur.
Als Frau, als Mutter und als Leidende wird Maria zur Vermittlerin zwischen Mensch und Gott, zu einer Identifikationsfigur, durch die der christliche Glaube konkret und emotional erfahrbar wird, dort, wo abstrakte Theologie an ihre Grenzen stößt.
Im Mittelalter wurde sie zur Schutzpatronin von Städten und zur Helferin in Not: Eine Kirche, die ihren Namen trägt, sagt gleichsam „Dieser Ort steht unter meinem Schutz“.
Auch wenn die Bildsprache der frühen Christen an die Darstellung der ägyptischen Isis mit dem Horusknaben anknüpft, so bleibt ein grundlegender Unterschied: Isis ist eine Göttin – Maria ist ein Mensch.
Gerade in Marias Mensch-Sein liegt ihre theologische Bedeutung: Durch sie wird Gott Mensch und das verweist auf eine sehr schlichte Wahrheit:
Jedes Leben entsteht durch eine Frau!
Die Marienkirche Prenzlau
Wer heute die Marienkirche in Prenzlau betritt, blickt in einen Raum, der mit seiner Entstehungszeit nur noch wenig gemein hat. Die große gotische Kirche des 13. und 14. Jahrhunderts erscheint auffallend leer, ist sie doch ihrer ursprünglichen Ausstattung beraubt.
Diese Leere ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer bewussten Entscheidung des 19. Jahrhunderts. Unter der Leitung des Berliner Architekten Eduard Knoblauch wurde der Innenraum „purifiziert“. Was damals als Zeitgeist galt, bedeutete in der Praxis die Entfernung gewachsener und vielschichtiger Ausstattung.
Hochaltarretabel
Das bedeutendste Ausstattungsstück, das spätgotische Hochaltarretabel aus dem frühen 16. Jahrhundert, fiel 1945 den Bränden am Ende des Zweiten Weltkriegs zum Opfer.
Dass dennoch die Figuren dieses Retabels erhalten sind, ist Prenzlauer Bürgern zu verdanken, welche die Figuren in Sicherheit brachten, indem sie sie in Nischen des Kirchturms einmauerten. So überdauerten sie die Zerstörung von Stadt und Kirche.
Im Zentrum des dreiflügeligen Retabels standen Maria drei Frauen zur Seite:
- neben Maria, oben rechts: ihre Mutter Anna (selbdritt)
- neben Maria, oben links: Katharina von Alexandrien, Schutzheilige der Gelehrten, Studenten und Philosophen
- neben Maria, unten links: Barbara von Nikomedien, Schutzheilige, die bei plötzlichem Tod, Gefahren und Katastrophen angerufen wird
Insgesamt umfasste das Retabel 21 Figuren. Das Verhältnis ist bemerkenswert: 16 männliche Figuren und 5 weibliche Figuren! Maria erschien dabei doppelt: im Zentrum des Altars und im Gesprenge als Himmelskönigin, die den oberen Abschluss bildete.
Gerade diese Konstellation von heiligen Männern und Frauen macht sichtbar, was viele mittelalterliche Bildprogramme prägt: eine überwiegend männlich strukturierte Heiligenwelt, in der weibliche Figuren gezielt hervorgehoben, aber zahlenmäßig deutlich unterrepräsentiert sind.
Literatur:
- Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (Hg.): Das Hochaltarretabel in der Prenzlauer Marienkirche : Beiträge der interdisziplinären Tagung im Dominikanerkloster in Prenzlau am 1. Dezember 2012, Berlin: Lukas Verlag 2013
- Brandenburgischer Provinzialverbande (Hg.): Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg : Kreis Prenzlau, 1921
Öffnungszeiten
- Die Marienkirche ist eigentlich immer von Ostern bis Ende Oktober von 10 bis 17 Uhr geöffnet. In 2026 wird sie ihre Türen erst zur Einweihung der neuen – alten Orgel am 15. Mai öffnen.
- Wer sich die Figuren des Hochaltarretabels ansehen möchte, kann dies im Dominikanerkloster, dem Kulturhistorischen Museum von Prenzlau, tun und gleichzeitig auch Königin Friederike Luise einen Besuch abstatten
HER-Story : Die heilige Margarete
Die Margarethenkapelle zu Prenzlau
Im Gegensatz zu vielen anderen gotischen Kirchen verfügt die Marienkirche in Prenzlau nur über zwei Kapellen, die im Chorbereich der Kirche an der Südseite angebaut wurden: die Christophoruskapelle und die Margaretenkapelle.
Die Margaretenkapelle, die 1398 erstmalig in einer Urkunde erwähnt wird, ist heute der einzige Bereich der Kirche, in dem sich noch originale gotische Ausstattung erhalten hat. Ihr Fortbestand war keineswegs selbstverständlich.
Bereits im 19. Jahrhundert plante der Berliner Architekt Eduard Knoblauch den Abriss der Kapelle im Zuge der Umgestaltung der Kirche. Dieses Vorhaben konnte jedoch durch den ersten preußischen Denkmalpfleger Ferdinand von Quast verhindert werden.
Auch am Beginn des 20. Jahrhunderts stand die Kapelle erneut zur Disposition und konnte ein weiteres Mal vor dem Abriss bewahrt werden.
Ausstattung der Margaretenkapelle
Im Inneren der Kapelle findet sich am Südportal, das in die Kirche führt, ein reich gestalteter Kämpferfries mit figürlichem und floralem Schmuck. Die Gewölbedienste der Kapelle sind zum Teil mit Malereien versehen.
Besonders bemerkenswert, und vermutlich einzigartig, sind sechs aus Keramik gefertigte Kopfkonsolen. Sie zeigen zwei Frauen und vier Männer. Anhand von Kleidung und Haartracht lassen sich die Figuren in das 13. bzw. 14. Jahrhundert datieren.
Gerade die individuelle Ausarbeitung der Köpfe legt nahe, dass es sich um Stifterfiguren handelt, also um Darstellungen von Personen, die am Bau oder an der Ausstattung der Kapelle beteiligt waren.
Die heilige Margarete
Eine Kapelle innerhalb einer Kirche ist ein eigener, abgegrenzter Raum für persönliche Andacht und spezifische religiöse Anliegen. Sie ist meist einer bestimmten Heiligen gewidmet und macht individuelle Frömmigkeit im Kirchenraum sichtbar.
Da dieses Gebäude an die Marienkirche angebaute Gebäude den Namen Margaretenkapelle trägt, ist davon auszugehen, das Margareta von Antiochien gemeint war, eine der drei weiblichen Heiligen aus der Gruppe der Vierzehn Nothelfer. Diese Heiligen wurden im Mittelalter als Fürsprecher in konkreten Lebenssituationen angerufen.
Zu den weiblichen Nothelfern gehören: Katharina von Alexandrien, Barbara von Nikomedien und Margareta von Antiochien.
Während Katharina und Barbara auf dem Hochaltarretabel der Marienkirche dargestellt waren, besitzt Margareta in Prenzlau einen eigenen Raum.
Schutzfunktion
Margareta wurde vor allem von schwangeren Frauen und Gebärenden angerufen. Sie galt als Helferin bei schweren Geburten und in Situationen, in denen das Leben von Mutter und Kind bedroht war.
Damit verweist ihre Verehrung auf einen Bereich, der im mittelalterlichen Alltag von zentraler Bedeutung war und zugleich ausschließlich Frauen betraf: Schwangerschaft und Geburt, Ereignisse im Leben einer Frau, die über Leben und Tod entscheiden konnten.
Der Legende nach wurde Margareta von einem Drachen verschlungen und unversehrt wieder ausgespien. Im mittelalterlichen Verständnis wurde dieser Drache als Symbol für den weiblichen Körper und die Gefahren der Geburt gedeutet. Ihre Rückkehr aus dem Drachen stand somit für das Gelingen der Geburt, für das Überleben in einer existenziellen Grenzsituation.
Die Sage von der ollen Grete
Mit der Marienkirche in Prenzlau ist auch die Sage von der „ollen Grete“ verbunden. Es wird erzählt, dass einst der Geselle eines Henkers in einer Vollmondnacht einen goldenen Kelch aus der Kirche stahl. Der Teufel selbst soll ihm dazu geraten haben, damit er mit dem Erlös ein Bürgermädchen heiraten und so seinem „unehrlichen“ Leben als Henkersgeselle entkommen konnte.
Doch der Frevel blieb nicht ungesühnt. In derselben Nacht erschien ihm die „olle Grete“ und erschreckte ihn so sehr, dass er zu Tode kam. Am nächsten Morgen fand man ihn tot, mit dem gestohlenen Kelch in der Hand.
Der Kelch wurde der Kirche zurückgegeben. Die „olle Grete“ jedoch wurde seitdem nie wieder gesehen. Zum Andenken an dieses Ereignis, so heißt es, wurde ihr eine eigene Kapelle errichtet.
Literatur
- Arkadien e.V. (Hg.): Teufelssteine : Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, Milow: Schibri-Verlag 1997
- Brandenburgischer Provinzialverbande (Hg.): Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg : Kreis Prenzlau, 1921
Öffnungszeiten
- Die Marienkirche ist eigentlich immer von Ostern bis Ende Oktober von 10 bis 17 Uhr geöffnet. In 2026 wird sie ihre Türen erst zur Einweihung der neuen – alten Orgel am 15. Mai öffnen
HER-Story: Dorothee Elisabeth Tretschlaff
Die Hexenverfolgungen gehören zu den grausamsten Kapiteln der europäischen Geschichte. Über Jahrhunderte hinweg wurden Menschen, vor allem Frauen, verdächtigt, gefoltert und getötet, weil man glaubte, sie stünden mit dem Teufel im Bunde oder betrieben Zauberei. Besonders in Mitteleuropa erreichten die Verfolgungen während der Frühen Neuzeit ihren Höhepunkt. Die Hexenverfolgungen waren dabei nicht nur Ausdruck von Aberglauben und religiösem Fanatismus, sondern staatlich und gesellschaftlich sanktionierte Femizide.
Im 15. Jahrhundert erschien mit dem „Malleus maleficarum“, dem Hexenhammer, eines der verhängnisvollsten Bücher aller Zeiten. Verfasst wurde es von dem Dominikanermönch Heinrich Kramer. Das Werk sollte die Hexenverfolgung nicht nur rechtfertigen, sondern ihr eine theologische Grundlage geben. Gibt es ein anderes Buch, das derart von Frauenfeindlichkeit durchzogen ist?
Dort heißt es unter anderem:
„Also schlecht ist das Weib von Natur, da es schneller am Glauben zweifelt, auch schneller den Glauben ableugnet, was die Grundlage für die Hexerei ist.“
An anderer Stelle wird die Frau beschrieben als:
„Nochmals bitterer als der Tod, weil der Tod des Körpers ein offener, schrecklicher Feind ist; das Weib aber ein heimlicher, schmeichelnder Feind.“
Solche Aussagen zeigen, auf welchem Frauenbild die Hexenverfolgungen beruhten. Frauen galten als verführerisch, schwach, gefährlich und dem Bösen besonders zuträglich. Unterstützung fanden solche Vorstellungen auch in religiösen Schriften und ihrer jahrhundertelangen Auslegung.
So heißt es etwa in der Bibel:
„Eine schöne Frau ohne Zucht ist wie eine Sau mit einem goldenen Ring durch die Nase“ (Sprüche 11,22).
Oder der berühmte Satz:
„Mulier taceat in ecclesia“ – „Die Frau schweige in der Gemeinde“ (1. Korinther 14,34).
Bis weit in das 18. Jahrhundert hinein dauerte der Wahnsinn der Hexenverfolgungen an. Doch auch die Aufklärung änderte nur wenig an der grundsätzlichen Geringschätzung von Frauen. Selbst das Werk des Philosophen Immanuel Kant ist von frauenfeindlichen Vorstellungen geprägt. Noch 1903 erschien mit „Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes“ von Paul Julius Möbius ein Buch, das Frauen wissenschaftlich minderwertig darstellte.
Auch Prenzlau und die Uckermark blieb von den Hexenverfolgungen nicht verschont. Besonders erschütternd ist das Schicksal der sogenannten „Wendischen Greta“. Sie wurde am 3. Mai 1669 festgenommen, weil man sie der Zauberei verdächtigte. Nach schwerer Folter wurde sie am 31. August 1669 auf einem Schinderkarren bis an die Stadtgrenze gebracht und dort ausgesetzt. Aufgrund ihres Alters und der erlittenen Tortur konnte sie nicht mehr gehen. In der Nacht zum 1. September starb sie außerhalb der Stadt. Ihr Leichnam blieb tagelang unbegraben liegen.
Die Geschichte der Hexenverfolgungen ist nicht nur ein Zeugnis von Aberglauben und religiösem Fanatismus, sondern auch von tief verwurzelter Frauenfeindlichkeit. Viele der damaligen Denkweisen wirken bis heute nach.
Im Folgenden soll insbesondere an das Schicksal von Dorothee Elisabeth Tretschlaff erinnert werden, die als letzte hingerichtete „Hexe“ Brandenburgs gilt.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) bemühte sich der brandenburgische Landesherr zunehmend darum, Hexenprozesse der Kontrolle lokaler Gerichte und Gutsherren zu entziehen. Besonders deutlich zeigt dies der vermutlich letzte brandenburgische Hexenprozess mit Todesurteil gegen die erst fünfzehnjährige Dorothee Elisabeth Tretschlaff aus dem adligen Dorf Fergitz in der Uckermark.
Nur wenige Tage nach der Enthauptung des Mädchens im Jahr 1701 ließ König Friedrich I. das Verfahren eingehend untersuchen. Dabei stellte sich heraus, dass die Ehefrau des Gutsherrn von Münchow den Prozess ausgelöst hatte. Dorothee Elisabeth Tretschlaff litt offenbar an Melancholie, was die Gutsherrin als Zeichen von Zauberei deutete. Das junge Mädchen wurde daraufhin Opfer eines Hexenprozesses, der mit ihrer Hinrichtung endete. Sie gilt als letztes Todesopfer der Hexenverfolgung in Brandenburg.
Die Erschütterung über dieses Verfahren führte schließlich zu einem Umdenken. Am 13. Dezember 1714 erließ der König ein Mandat, in dem angeordnet wurde, dass Urteile in Hexensachen, die Folter oder die Todesstrafe vorsahen, künftig dem König selbst zur Bestätigung vorgelegt werden müssten. Wörtlich hieß es, man wolle die Prozesse „verbessern und so einrichten lassen, daß dergleichen gefährlichen Folgen daraus nicht entstehen mögen“. Gleichzeitig wurde verfügt, sämtliche Brandpfähle, an denen vermeintliche Hexen verbrannt worden waren, zu entfernen.
Der Fall der Dorothee Elisabeth Tretschlaff markiert damit nicht nur das Ende der Hexenverfolgung in Brandenburg, sondern steht zugleich beispielhaft für das Leid unzähliger Frauen und Mädchen, die über Jahrhunderte Opfer von Aberglauben, Machtmissbrauch und staatlich legitimierter Gewalt wurden. Zwischen 1548 und 1680 sind allein für die Uckermark rund 270 Hexenprozesse nachweisbar.
Weblink: https://www.dorothee-elisabeth-tretschlaff.de/ – hier finden sich viele weitere und vor allem detaillierte Informationen zu Dorothee Elisabeth Tretschlaff
Fergitz liegt am Westufer des Oberuckersees (53.182754255524316, 13.843895743388183), von hier aus sind unendliche viele Wanderungen und Fahrradtouren durch eine wundervolle Landschaft möglich. Zum Beispiel zum Aussichtsplatz „Drei-Seen-Blick„.





